Heimsieg und Abschied im Auestadion
KSV Hessen Kassel gewinnt 2:0 im Hessenderby – Brill emotional verabschiedet
Der KSV Hessen Kassel hat seinen letzten Heimauftritt der Saison im Auestadion mit einem sportlich wichtigen Erfolg und einem emotionalen Abschied verbunden. Beim 2:0 (0:0) gegen den TSV Steinbach Haiger – vor 3312 Zuschauern – fielen die Tore erst nach der Pause. In der 88. Minute bekam Frederic Brill bei seinem letzten Heimspiel noch einmal den Moment, den das Stadion eingefordert hatte: den Abschied auf dem Rasen.
KSV arbeitet sich nach ausgeglichener Anfangsphase ins Spiel
Die Aufgabe war anspruchsvoll: Steinbach reiste als Tabellendritter an, Kassel ging als Achter in die Partie. Zudem kam der TSV mit Rückenwind – sechs Siege aus den letzten sieben Spielen, darunter zwei 6:0-Ergebnisse gegen Schott Mainz und beim FSV Frankfurt.
In der Anfangsphase hatte Steinbach mehr Ballbesitz und kam durch Singer und Kircher zu ersten Abschlüssen, doch KSV-Torhüter Weyand blieb aufmerksam.
Kassel brauchte einige Minuten, um Zugriff zu bekommen, fand dann aber über frühes Anlaufen und über die rechte Seite besser in den Rhythmus. Najjar brachte mehrere Flanken in den Strafraum, dazu erspielte sich der KSV eine Serie an Standardsituationen. Girth verpasste einmal in der Mitte, Stark kam beinahe per Kopf an den Ball, Abschlüsse von Rupp und Bravo Sanchez wurden geblockt oder entschärft.
So blieb es zur Pause beim 0:0 – auch weil der KSV seine Feldvorteile aus der zweiten Phase der ersten Hälfte noch nicht in klare Abschlussszenen ummünzen konnte.
Personell begann Kassel mit Änderungen: Benjamin Girth ersetzte Jan Dahlke in der Startelf, Danny Breitfelder rückte für Emre Böyükata ins Team. Schiedsrichter der Partie war Tobias Huthmacher aus Sigmaringen.
Boche trifft nach Druckphase, Bräunling entscheidet das Derby
Nach dem Seitenwechsel blieb die Begegnung offen. Steinbach kam durch Firat und Lee zu Möglichkeiten, Weyand hielt den KSV im Spiel.
Auf der anderen Seite ließ Kassel ebenfalls Chancen liegen: Bonianga wurde mehrfach in gute Position gebracht, einmal fehlte der konsequente Abschluss, in anderen Situationen verpassten Hereingaben und Kopfbälle nur knapp ihr Ziel.
Die Führung fiel in einer Phase, in der Kassel den höheren Druck entwickelte. In der 68. Minute verlängerte Bravo Sanchez per Kopf an den kurzen Pfosten, wo Boche frei stand und zum 1:0 einköpfte. Der Treffer gab dem KSV spürbar Sicherheit: Kassel blieb präsent in den Zweikämpfen, spielte Angriffe zielstrebiger aus und nutzte Räume konsequenter.
In der 81. Minute folgte die Entscheidung. Cornelius Bräunling war kurz zuvor eingewechselt worden, gewann auf der rechten Seite den Ball, trieb die Aktion mit Tempo nach vorn und schloss ins linke obere Eck zum 2:0 ab.
Unterm Strich war der Erfolg verdient, weil Kassel nach der Pause die klareren Druckphasen hatte und in den entscheidenden Momenten effizient war. Mit dem Sieg steht der KSV nun bei 51 Punkten und wahrt vor dem letzten Spieltag zumindest theoretisch noch die Chance auf Platz drei. Gelbe Karten sahen Stark und Boche.
Brills Abschied prägt den Heimabschluss
Trotz der sportlichen Bedeutung stand der Nachmittag vor allem im Zeichen von Frederic Brill, der seit 2015 für den KSV spielt und seinen letzten Heimauftritt im Löwen-Trikot absolvierte. Schon vor dem Anpfiff war die Stimmung darauf ausgerichtet: Auf der Osttribüne hing ein übergroßes Trikot, Brill spendete 800 Freikarten für die Nordkurve, und auf der Videowand liefen Bilder aus seiner Zeit beim Verein.
Vor dem Spiel wurde Brill offiziell verabschiedet und von Jens Rose zum Ehrenmitglied ernannt. Rose erinnerte dabei auch an eine Zahl, die Brills Stil auf dem Platz über Jahre mitgeprägt hat: 99 Gelbe Karten. Trainer Tobi Damm fand persönliche Worte: „Du hast die Mannschaft, du hast die Kabine geprägt. Und du warst immer ein Mensch mit einem großen Herzen. Ich durfte dich als Freund kennenlernen, du hinterlässt sportlich und menschlich eine große Lücke.“ Brill selbst sagte mit Tränen in den Augen: „Ich werde euch alle vermissen, ihr werdet mir fehlen. Bevor ich jetzt weiterheule, höre ich lieber auf.“
Auch weitere Spieler wurden verabschiedet. Bräunling sagte: „Ich habe es sehr genossen, hier zu spielen.“ Jakob Kuntze erklärte: „Ich denke, dass es mich irgendwann wieder hierher zurückführen wird.“ Luis Podolski verabschiedete sich mit den Worten: „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht hier, tragt den Verein weiter.“ Benjamin Girth, der in der zweiten Halbzeit ausgewechselt wurde und nach Espenau wechseln wird, sagte: „Ich freue mich, dass ich in meinem letzten Jahr hier noch einmal Fuß fassen durfte.“
Den emotionalen Höhepunkt erlebte das Auestadion in der 88. Minute: Das Publikum forderte Brills Einwechslung lautstark mit „Freddy, Freddy“-Sprechchören. Dann kam er tatsächlich noch einmal aufs Feld. Die Zuschauer erhoben sich, die Mannschaft stand Spalier – und Brill wurde auf dem Platz gefeiert.
So bleibt ein Heimabschluss, der für den KSV in beiderlei Hinsicht Gewicht hat: drei Punkte gegen den Tabellendritten, 51 Zähler – und ein Abschied, der das Stadion noch einmal geschlossen bewegte.

