Quartalszahlen und Standortanalyse
Daimler Truck unter Druck: Gewinn bricht ein – Kasseler Werk bleibt vorerst verschont
Daimler Truck ist mit deutlich schwächeren Quartalszahlen ins Jahr gestartet. Gewinn, Umsatz und operatives Ergebnis gaben im ersten Quartal kräftig nach. Der Standort Kassel, wo Daimler Truck mit dem Achswerk nach Unternehmensumfeld der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt ist, scheint davon vorerst weniger direkt betroffen: Das Werk ist stärker an das Europa-Geschäft gekoppelt – und dieses entwickelte sich zuletzt stabiler.
Quartalszahlen und Ergebnis
Der Nutzfahrzeughersteller meldete für das erste Quartal einen Gewinneinbruch um 80 Prozent. Das Konzernergebnis sank im Vergleich zum Vorjahresquartal von 749 Millionen auf 149 Millionen Euro. Der Umsatz ging um 13 Prozent auf 9,98 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis (Ebit) fiel um 71 Prozent auf 292 Millionen Euro.
- Gewinneinbruch um 80 Prozent: von 749 auf 149 Millionen Euro
- Umsatzrückgang um 13 Prozent auf 9,98 Milliarden Euro
- Operatives Ergebnis (Ebit) minus 71 Prozent auf 292 Millionen Euro
Schwaches US-Geschäft und Zölle belasten das Quartal
Als zentrale Treiber der Schwäche nennt Daimler Truck ein deutlich schwächeres Geschäft in den USA sowie zusätzliche Belastungen durch Zölle in niedriger dreistelliger Millionenhöhe. Finanzvorständin Eva Scherer ordnete den Rückgang entsprechend ein: Der Hauptgrund liege nicht in Deutschland. Besonders in den USA habe Daimler Truck deutlich weniger Fahrzeuge verkauft – bemerkenswert auch deshalb, weil der Konzern dort mit Freightliner als Marktführer positioniert ist.
Ebit-Marge im Branchenvergleich
Ein Blick auf die operative Ertragskraft zeigt, wie stark der Druck inzwischen auf der Profitabilität liegt. Maßstab dafür ist die Ebit-Marge – also der Anteil des operativen Ergebnisses am Umsatz, der übrig bleibt, nachdem die laufenden operativen Kosten erwirtschaftet wurden. Im Vergleich fällt der Abstand zur Konkurrenz deutlich aus: Volvo kam im ersten Quartal 2026 auf eine Marge von 11 Prozent, Daimler Truck auf knapp 5 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte Daimler Truck noch bei 9,6 Prozent gelegen.
Branchenblick
Dass Daimler Truck mit dieser Lage nicht allein ist, unterstreicht der Branchenblick: Auch andere Hersteller verkaufen weniger neue Fahrzeuge. Der US-Konzern Paccar schwächelte im ersten Quartal ebenfalls im Neufahrzeuggeschäft, verdiente aber stark mit Service und Ersatzteilen – ein Hinweis darauf, wie wichtig stabile, weniger zyklische Erlöse werden, wenn der Absatz neuer Lkw nachlässt.
Rückblick auf 2025
Auch der Rückblick auf 2025 zeigt, dass die Belastungen nicht erst seit diesem Quartal wirken. Unterm Strich verdiente Daimler Truck 2025 rund zwei Milliarden Euro, 34 Prozent weniger als im Jahr davor. Als Faktoren galten bereits damals US-Zölle und eine schwache Nachfrage in Nordamerika; zudem gingen 2025 auch Umsatz und Absatz zurück.
Kassel profitiert bislang vom stärkeren Europa-Geschäft
Für Kassel ergibt sich bislang ein anderes Bild als für das Nordamerika-Geschäft. Im Achswerk arbeiten rund 2700 Menschen. Produziert werden vorwiegend Komponenten für Mercedes-Benz Trucks – und damit für ein Geschäft, das stärker vom europäischen Markt getragen wird. Hinzu kommen Aufträge für den Pkw-Hersteller Mercedes-Benz.
Werkleiter Hauke Schuler verwies auf die Entwicklung bei Mercedes-Benz Trucks: Im ersten Quartal wurden 34.500 Fahrzeuge verkauft, gut 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anstieg sei „im Wesentlichen auf die positive Entwicklung der Nachfrage in Europa zurückzuführen“. Entsprechend habe man auch am Standort Kassel eine höhere Auslastung verzeichnet.
Konzernchefin Karin Rådström verwies zugleich auf eine weltweit gestiegene Nachfrage „gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent, getragen von einer deutlichen Erholung in den USA“. Zusammengenommen zeigt das: Innerhalb des Konzerns verläuft die Lage nicht einheitlich. Während das Quartal insgesamt von der Schwäche in Nordamerika und Zollkosten geprägt war, stützen einzelne Regionen und Marken – derzeit insbesondere Europa und die Auslastung bei Mercedes-Benz Trucks – bestimmte Standorte.
Kostensenkungen und Margendruck prägen den Ausblick
Parallel zu den schwachen Quartalszahlen treibt Daimler Truck sein Sparprogramm „Cost Down Europe“ voran. Auf der Hauptversammlung bezifferte Karin Rådström die bisher erzielten Effekte:
- 2025: 100 Millionen Euro eingespart
- Bis Jahresende 2026: 250 Millionen Euro
- Bis 2030: mehr als eine Milliarde Euro jährlich
Die Einschnitte sollen vor allem die deutschen Werke der Marke Mercedes-Benz Trucks betreffen.
- Abbau von rund 5000 Stellen, vor allem in der Verwaltung
- Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2035 durch Betriebsvereinbarung
- Umsetzung über natürliche Fluktuation, Vorruhestand und interne Versetzungen
Für Kassel war zuletzt die Botschaft, dass nur wenige Bereiche betroffen seien. Als Beispiel für Sparmaßnahmen nannte eine Sprecherin unter anderem neue, energiesparende LED-Beleuchtung im Werk.
Personalwechsel
Arbeitsdirektor Jürgen Hartwig verlässt Daimler Truck zum 1. Oktober 2026. Seine Nachfolgerin wird Yvonne Bettkober, zuletzt Chief Transformation Officer bei Audi.
Ausblick
Die Quartalszahlen machen den Ergebnisdruck bei Daimler Truck deutlich – und sie zeigen zugleich, wie unterschiedlich die Belastungen innerhalb des Konzerns wirken. Während das Nordamerika-Geschäft und Zölle das Gesamtbild nach unten ziehen, stützt das Europa-Geschäft aktuell die Auslastung in Kassel. Entscheidend wird sein, ob es Daimler Truck gelingt, die operative Marge wieder zu stabilisieren – und ob das Kostenprogramm Wirkung entfaltet, ohne die Leistungsfähigkeit an den europäischen Standorten zu schwächen.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://www.hna.de/kassel/quartalszahlen-wirtschaft-kassel-daimler-truck-achswerk-gewinn-einbruch-94295124.html, Daniel Seeger, 08.05.2026 21:02

