Kaderumbau bei den Kassel Huskies
Kassel Huskies vor Abwehr-Umbruch: Zehn Abgänge und ein Neuanfang
Bei den Kassel Huskies greift der personelle Umbau tief – und er trifft vor allem die Abwehr. Zehn Spieler stehen als Abgänge fest, dazu kommt der Wechsel an der Bande: Auf Cheftrainer Todd Woodcroft folgt der bisherige Co-Trainer Petteri Väkiparta. Auch Torwart- und Videotrainer Sinisa Martinovic ist künftig nicht mehr Teil des Teams; er zieht es aus familiären Gründen in die Schweiz.
Die Trennungen wurden im Radio-Bob-Podcast „Face off“ von den Geschäftsführern Paul Sinizin und Derek Dinger öffentlich gemacht. Damit ist klar: Es geht nicht um punktuelle Korrekturen, sondern um einen Neustart, der Kader und Trainerstab gleichermaßen betrifft.
Die Abwehr wird zur größten Baustelle
Am deutlichsten wird der Einschnitt in der Defensive. Fünf Verteidiger gehören zu den feststehenden Abgängen – ein Umfang, der die Statik einer Mannschaft unmittelbar verändert.
- Simon Schütz verlässt die Nordhessen trotz eines Zweijahresvertrags.
- Andrew Bodnarchuk wechselt nach drei Jahren in Kassel zur Düsseldorfer EG.
- Tim Bender, der zwei Saisons für die Huskies gespielt hat und in seiner zweiten Spielzeit von Rückenproblemen ausgebremst wurde.
- Bode Wilde, der vor der abgelaufenen Saison aus Bad Nauheim kam.
- Hans Detsch beendet seine Laufbahn. Detsch hatte sich in der zurückliegenden Saison sogar noch in eine neue Rolle gearbeitet – vom Stürmer hin zum verlässlichen Verteidiger. Er soll den Huskies in anderer Funktion erhalten bleiben. Seit 2021 absolvierte er 275 Pflichtspiele in Blau-Weiß.
In Summe verlieren die Huskies damit nicht nur Personal, sondern auch eingespielte Rollen: Wer Minuten frisst, wer Überzahl stabilisiert, wer in engen Spielen als erster auf das Eis geschickt wird – all das muss neu verteilt und neu verpflichtet werden. Dass ausgerechnet die Abwehr so breit aufgerissen wird, erhöht den Druck auf die Kaderplanung: Ohne klare Achse in der Defensive wird es schwer, Konstanz ins Spiel zu bekommen – unabhängig davon, wie stark die Offensive besetzt ist.
Zehn Abgänge verändern den Kader in mehreren Mannschaftsteilen
Neben den fünf Verteidigern stehen insgesamt zwei Torhüter und drei Stürmer auf der Abgangsliste.
- Mitch Hoelscher im Angriff: Kam in 50 Spielen auf sieben Tore und 29 Vorlagen, war nach der Verpflichtung von Daugavins jedoch häufig nur noch zweite Wahl.
- Kaspars Daugavins im Angriff: Wurde im November dazugeholt und verbuchte 13 Scorerpunkte in 30 Spielen.
- Clemens Sager im Angriff: Nach zwei Spielzeiten in Kassel und 37 Kadernominierungen in der abgelaufenen Saison wohl ein neuer Klub gefunden.
- Oleg Shilin als Torhüter: Kam als Absicherung für Philipp Maurer und geht als zuverlässige Nummer zwei.
- Brandon Maxwell als Torhüter: Bestritt nach seiner Verletzung nur ein Spiel – eine Trennung, die sich bereits abgezeichnet hatte.
Einige Abschiede tragen zusätzliches Gewicht. Bodnarchuk etwa hätte sich nach seiner schweren Knieverletzung im sechsten Viertelfinale in Weißwasser gern noch auf dem Eis verabschiedet. Solche Geschichten zeigen, dass der Umbruch nicht nur Zahlen produziert, sondern auch Brüche in der Kabine hinterlässt: Erfahrung, Routine und gewachsene Hierarchien müssen ersetzt werden – und zwar nicht abstrakt, sondern in konkreten Spielsituationen.
Offene Gespräche – und eine auffällige Lücke in der Abwehr
Trotz der langen Liste ist die Planung nicht abgeschlossen. Der Vertrag von Dominic Turgeon läuft aus; es soll Gespräche über einen möglichen Verbleib geben. Auch mit Darren Mieszkowski laufen Gespräche, die in eine Vertragsverlängerung münden könnten. Bei Marco Müller ist ein Verbleib ebenfalls denkbar.
Hinzu kommen Personalien, die sportlich ein Signal setzen könnten. Luca Münzenberger, von den Kölner Haien ausgeliehen, überzeugte in den Playoffs als Verteidiger – eine weitere Zusammenarbeit erscheint zumindest nicht ausgeschlossen.
Der Blick auf den aktuellen Kaderstand verdeutlicht, warum die kommenden Wochen vor allem defensiv entscheidend werden: Im Tor sind Philipp Maurer und Alexander Pankraz gelistet, in der Abwehr steht mit Manuel Schams nur ein Spieler fest im Aufgebot. Im Angriff sind derzeit Michael Bartuli, Tyler Benson, Hunter Garlent, Tristan Keck, Laurin Braun, Jake Weidner, Yannik Valenti und Maciej Rutkowski aufgeführt. Die Schieflage ist offensichtlich: Selbst wenn einzelne Gespräche positiv enden, bleibt die Abwehr das Feld, auf dem Kassel am meisten nachlegen muss.
Gerüchte und Prioritäten: Vieles ist möglich, aber noch nicht belastbar
Rund um die Neuaufstellung kursieren zudem Namen. Für das Tor wird Leon Willerscheid gehandelt, für die Abwehr Lukas Jung, Leonard Korus und Johannes Huß. Im Angriff wird Eugen Alanov genannt. Dabei gilt: Solange es keine Bestätigung gibt, bleiben diese Personalien Spekulation – sie zeigen vor allem, in welchen Bereichen der Markt sondiert wird.
Der Umbruch bei den Kassel Huskies geht damit weit über den Trainerwechsel hinaus. Petteri Väkiparta übernimmt in einer Phase, in der die Basisarbeit beginnt: eine neue Defensive zusammenstellen, Rollen definieren, Stabilität herstellen. Wie schnell der Neustart greift, wird sich deshalb weniger an Schlagzeilen messen, sondern an der Frage, ob Kassel in kurzer Zeit wieder eine belastbare Abwehrstruktur aufbauen kann – vom ersten Wechsel bis in die Special Teams.

