LICHT BERÜHRT im Palais Bellevue: Lichtkunst und Papierpoesie in Kassel


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LICHT BERÜHRT: Wenn Papier im Palais Bellevue zu leuchten beginnt
Barbara Beisinghoffs Ausstellung LICHT BERÜHRT verwandelt das historische Palais Bellevue in Kassel in einen poetischen Resonanzraum aus Licht, Papier, Sprache und Architektur. Zarte, handgeschöpfte Wasserzeichenpapiere treten vor den Fenstern in einen stillen Dialog mit dem Tageslicht und verbinden Innenraum und Außenwelt zu einer fein nuancierten ästhetischen Erfahrung.
Wasserzeichen zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem
Die filigranen Papierarbeiten entfalten ihre Wirkung besonders im Gegenlicht. Licht dringt durch die hauchdünnen Fasern, zeichnet transparente Strukturen und lässt eingeschöpfte Wörter, Zeichen und Bildräume erscheinen. Im historischen Palais Bellevue entsteht eine Ausstellungsatmosphäre, in der Malerei, Installation, Papierkunst und Literatur auf subtile Weise ineinandergreifen.
Ausgangspunkt der Ausstellung sind die zahlreichen Fenster des Palais Bellevue, das Landgraf Karl 1714 für astronomische Studien errichten ließ. Die Werke reagieren auf die Architektur und machen den Übergang zwischen Innen und Außen sichtbar. Im Sohar, dem Buch des Glanzes, steht der erste Lichtfunke zugleich für das erste Wort. Dieses Verhältnis von Licht, Sprache und Erkenntnis prägt die Werkbetrachtung in allen Räumen.
Eine Ausstellung als poetischer Rundgang
Die Schau führt barrierefrei durch drei Stockwerke. Im Erdgeschoss laden zwei Arbeiten vor den halbrunden Supraportefenstern zur Auseinandersetzung mit dem Begriff Reschit ein. Im ersten Stock verbindet eine Blickachse ein ockerfarbenes Wasserzeichen im Kaminzimmer mit dem weißen Werk Light of the eye and of the mind im gegenüberliegenden Raum.
Im zweiten Stock begegnen den Besucherinnen und Besuchern weitere Wasserzeichen-Worte aus Christa Wolfs Kassandra. Im Astronomieraum treten Arbeiten mit Texten von Georg Christoph Lichtenberg in einen Dialog mit dem historischen Charakter des Palais. Eine Vitrine zeigt das Buch KUPFERSTICHE BEWOHNEN aus Gaston Bachelards Poetik des Raums sowie ein weißes Blatt mit Worten eines Gedichts von Marina Zwetajewa, die mit Wasserstrahl geschrieben wurden.
Licht, Bewegung und Raumwirkung
Unter dem Gewölbebogen der Bibliothek drehen sich langsam drei Ebenen von Wasserzeichen übereinander. Diese Installation macht Licht als bewegte, körperlich erfahrbare Erscheinung wahrnehmbar. Formen lösen sich auf, Schatten treten hervor, und die Architektur wird zum aktiven Bestandteil der Kunst.
Barbara Beisinghoff arbeitet mit handgeschöpftem Papier, Wasserzeichen, Wasserstrahlzeichnungen und Künstlerbüchern. Ihre Kunst verbindet materielle Präzision mit poetischer Sprache und einer konzentrierten Auseinandersetzung mit Raum, Wahrnehmung und Erinnerung. Die Ausstellung steht damit in der Tradition experimenteller Papierkunst und medienübergreifender Installationskunst.
Kulturelle Bildung und Begleitprogramm
Ein gedruckter Rundgang-Flyer in der Halle im Erdgeschoss unterstützt die eigenständige Erkundung. Gespräche, Lesungen und ein Leporello-Workshop vertiefen die kulturelle Bildung und eröffnen unterschiedliche Zugänge zur Ausstellung.
Am 25. Oktober 2026 findet von 14 bis 17 Uhr ein Leporello-Workshop mit Susanne Mihm-Lutz statt. Die Teilnahme ist nach Anmeldung möglich. Weitere Veranstaltungen umfassen Gespräche mit Susanne Jakubzcyk und Brigitte Zypries sowie die Lesung Die Welt im Fenster mit Prosa und Briefen von Rosa Luxemburg bis James Salter.
Fazit: Ein stilles Kunsterlebnis mit großer Strahlkraft
LICHT BERÜHRT lädt zu einer entschleunigten Werkbetrachtung ein, bei der Licht nicht bloß beleuchtet, sondern Bedeutung erzeugt. Besucherinnen und Besucher erleben Papier als durchlässigen Körper, Sprache als visuelle Spur und das Palais Bellevue als poetische Installation. Wer sich auf die filigranen Nuancen zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem einlässt, gewinnt eine intensive ästhetische Erfahrung. Ein Besuch dieser außergewöhnlichen Ausstellung in Kassel bereichert kulturell und sinnlich.
Offizielle Kanäle von Barbara Beisinghoff:
- Website: https://www.beisinghoff.de/










