LICHT BERÜHRT im Palais Bellevue: Licht, Papier und Sprache erleben

Event: LICHT BERÜHRT in Palais Bellevue - Salon, Schöne Aussicht 2, 34117 Kassel on 5. November 2026

Datum und Uhrzeit

5. November 2026 10:00 Uhr

Künstler

Veranstaltungsort

Kassel
Kassel, Deutschland

Tickets

Kostenlos

Über diese Veranstaltung

Ausstellungen & Museen

Stimmung

Entspannt

Veranstaltungsorttyp

Drinnen

LICHT BERÜHRT: Wenn Papier im Palais Bellevue zu leuchten beginnt

Barbara Beisinghoffs Ausstellung LICHT BERÜHRT verwandelt das historische Palais Bellevue in Kassel in einen poetischen Resonanzraum für Licht, Papier und Sprache. Zarte handgeschöpfte Wasserzeichenpapiere schweben vor den Fenstern, verbinden Innen und Außen und entfalten ihre Wirkung im wechselnden Gegenlicht. Die Ausstellung ist vom 27. August 2026 bis zum 2. Januar 2027 zu sehen und bietet ein stilles, eindringliches Kunsterlebnis zwischen sichtbarer Form und immateriellem Leuchten.

Wasserzeichen zwischen Innenraum und Außenwelt

Die filigranen Papierarbeiten reagieren sensibel auf die natürliche Lichtführung des Palais Bellevue. Erst im Gegenlicht treten Zeichen, Buchstaben und Bildräume hervor. Licht wird dabei nicht nur zum Beleuchtungsmittel, sondern zum aktiven Bestandteil der Installation. Die historische Architektur erhält eine neue Wahrnehmungsebene: Fenster, Raumachsen, Schatten und transparente Materialien verbinden sich zu einer fein komponierten Ausstellungsatmosphäre.

Ein Rundgang durch drei Stockwerke

Die barrierefrei zugängliche Ausstellung führt durch drei Etagen des Palais Bellevue. Bereits in der Halle im Erdgeschoss verweisen zwei Arbeiten vor den halbrunden Supraportefenstern auf den Sohar, das Buch des Glanzes. Der erste Lichtfunke erscheint dort zugleich als erstes Wort, Reschit. Die Wasserzeichen verbinden spirituelle Überlieferung, Schrift und ästhetische Erfahrung zu einer offenen Werkbetrachtung.

Im ersten Stock entsteht eine präzise Blickachse zwischen dem ockerfarbenen Wasserzeichen im Kaminzimmer und dem weißen Blatt Light of the eye and of the mind im gegenüberliegenden Raum. Die farbliche Spannung zwischen warmem Ocker und hellem Weiß verändert die Raumwirkung und lenkt den Blick auf die feinen Übergänge zwischen Materialität, Transparenz und Wahrnehmung.

Literatur wird zu Licht und Materie

Im zweiten Stock treten Texte von Christa Wolf, Georg Christoph Lichtenberg und Marina Zwetajewa in einen Dialog mit den Papierarbeiten. Das Motiv des Chaos, das sich wie Eisenspäne um einen Magneten ordnet, wird als Wasserzeichen sichtbar. Im Astronomieraum öffnen Arbeiten in den Nord- und Ostfenstern den Blick auf Himmelsbeobachtung, Erkenntnis und Sprache.

Eine Vitrine mit dem Buch KUPFERSTICHE BEWOHNEN aus Gaston Bachelards Poetik des Raums erweitert die Ausstellung um eine kunsttheoretische Dimension. Ein weißes Blatt mit Worten aus einem Gedicht von Marina Zwetajewa, geschrieben mit Wasserstrahl, macht den Entstehungsprozess selbst zum Thema. Unter dem Gewölbebogen der Bibliothek drehen sich langsam drei Ebenen von Wasserzeichen übereinander und erzeugen eine bewegte, nahezu schwebende Installation.

Barbara Beisinghoff und die Kunst des Papiers

Barbara Beisinghoff arbeitet mit Papier, Kupfer, Radierung, Künstlerbüchern und Installationen. Ihre Kunst untersucht die Beziehung von Material, Sprache, Licht und Raum. Wasserzeichen entstehen durch Eingriffe in das Schöpfsieb, durch eingelegte Materialien, aufgegautschte oder aufgedruckte Texte sowie durch Wasserstrahlzeichnungen. Dadurch verbinden sich handwerkliche Präzision, poetische Offenheit und kunsthistorische Reflexion.

Die Ausstellung steht in der Tradition zeitgenössischer Papierkunst und erweitert sie um eine raumbezogene, lichtsensible Form der Kuratierung. Das Palais Bellevue wird nicht bloß zum Ausstellungsort, sondern zum aktiven Partner der Werke. Jede Veränderung des Tageslichts verändert die Wahrnehmung der Installation und macht den Besuch zu einer individuellen ästhetischen Erfahrung.

Gespräche, Lesung und Workshop

Begleitend zur Ausstellung vertiefen Gespräche, eine Lesung und ein Leporello-Workshop die kulturelle Bildung. Ein kunsthistorisches Gespräch mit Susanne Jakubzcyk, ein Workshop mit Susanne Mihm-Lutz sowie die Lesung Die Welt im Fenster mit Prosa und Briefen von Rosa Luxemburg bis James Salter erweitern die Werkbetrachtung um historische, literarische und gesellschaftliche Perspektiven. Den Abschluss bildet ein Gespräch mit Brigitte Zypries, Bundesministerin außer Dienst.

Fazit: Ein stilles Kunsterlebnis mit großer Strahlkraft

LICHT BERÜHRT erwartet Kunstinteressierte als sinnliche Begegnung mit Licht, Papier, Sprache und historischer Architektur. Die Ausstellung zeigt, wie aus hauchdünnen Wasserzeichen ein bewegter Bildraum entsteht und wie das Unsichtbare durch die ästhetische Erfahrung erfahrbar wird. Wer die feinen Nuancen zwischen Transparenz, Schrift und Raum selbst erleben möchte, sollte diese Ausstellung unbedingt live im Palais Bellevue besuchen.

Offizielle Kanäle von Barbara Beisinghoff:

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  • Website: https://www.beisinghoff.de/

Quellen:

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