Tod und Wiederauferstehung: Politische Bühnenkunst im Kulturhaus Dock 4

Event: Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir von Nis-Momme Stockmann in Kulturhaus Dock 4 - Studiobühne Deck 1, Untere Karlsstraße 4, 34117 Kassel on 3. November 2026

Datum und Uhrzeit

3. November 2026 18:30 Uhr

Veranstaltungsort

Kassel
Kassel, Deutschland

Über diese Veranstaltung

Theater

Stimmung

Sonstige

Veranstaltungsorttyp

Drinnen

Ein radikaler Theaterabend über Geld, Ohnmacht und den Traum vom Systemsturz

Ein Mann verlässt Frau und Haus, nimmt einen Koffer mit gestohlenen 4,5 Millionen Euro an sich und zieht los, um das kapitalistische System zu Fall zu bringen. In der Studiobühne Deck 1 des Kulturhauses Dock 4 begegnet das Publikum einem sprachgewaltigen Aussteigerdrama, das politische Verzweiflung, grotesken Humor und surreale Bühnenfantasie miteinander verschränkt.

Ein Ex-Banker im Kampf gegen die Welt

Nis-Momme Stockmanns Stück folgt einem namenlosen ehemaligen Banker, der sein altes Leben hinter sich lässt und die Hyperinflation als Waffe gegen die Finanzwelt einsetzen will. Sein Versteck befindet sich im obersten Stockwerk eines weißen Mietshauses in der Inheidener Straße 71. Doch die vermeintliche Mission führt ihn nicht in die Freiheit, sondern mitten hinein in ein Labyrinth aus Erinnerungen, Machtverhältnissen und inneren Widersprüchen.

Auf seinem Weg begegnet er einer rachsüchtigen Ehefrau, dem kriegsvernarrten Vermieter Kaschinsky, einer faszinierenden jungen Frau und einem mysteriösen Obdachlosen. Selbst die Träume des Protagonisten erobern die Bühne: Merkwürdige Gestalten veranstalten ein Musical in seiner Einzimmerwohnung und verwandeln das Aussteigerdrama in ein schillerndes Kopfkino.

Dramaturgie zwischen Wut, Groteske und Ratlosigkeit

Stockmanns Text verweigert die bequeme politische Antwort. Die Handlung kreist um Kapitalismus, Angst, Geld und die Sehnsucht nach einer anderen Gesellschaft. Aus der einfachen Ausgangssituation entwickelt sich eine ausufernde Dramaturgie, in der Nebenszenen, Abschweifungen und surreale Bilder das gesellschaftliche Unbehagen sichtbar machen.

Kritiken zur Uraufführung und zu späteren Inszenierungen beschreiben das Stück als radikales, maßloses und zugleich kunstvolles Theater über die Widersprüche einer Generation. Die Inszenierung stellt nicht nur die Frage, wer für die Krisen der Gegenwart verantwortlich ist. Sie richtet den Blick auch auf die eigene Verstrickung in jene Strukturen, die man kritisiert.

Ensemblearbeit mit politischer Energie

Das Ensemble des Theaters Uni Kassel bringt diese vielschichtige Vorlage mit Fabian Bernhardt, Emma Freitag, Vera Habermeier, Christopher Krug, Matay Özdemir, Julia Rusanov, Leon-Raphael Schmitt, Eduard Sivokonev, Benjamin Stoll und Louisa Wengler auf die Bühne. Regie führen Natalia Yakovina und Christopher Krug.

Musik von Matthias Nachtmann und Martina Freitag erweitert die Inszenierung um eine eigene akustische Ebene. Bühnenbild, Kostüm und Requisiten stammen von Pauline Metz, Lina Nguyen und Pauline Metz. Erwartet wird ein Bühnenerlebnis, in dem Sprache, Schauspielkunst, Musik und visuelle Überzeichnung zu einer nervösen Theateratmosphäre verschmelzen.

Ein Stück über eine Generation ohne einfache Antworten

Seit seiner Uraufführung im Jahr 2012 hat Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir seine gesellschaftliche Sprengkraft behalten. Das Stück richtet sich an Menschen, die in einer scheinbar alternativlosen Welt aufgewachsen sind und dennoch spüren, dass die bestehenden Verhältnisse nicht funktionieren.

Die Inszenierung thematisiert grob Kriegstrauma, selbstverletzendes Verhalten, Suizid und sexuelle Ausbeutung. Diese Inhalte prägen den Abend als belastende und konfrontative Themenfelder und machen die Aufführung zu einem Theaterbesuch, der Aufmerksamkeit und innere Bereitschaft verlangt.

Fazit: Politisches Theater als unmittelbares Bühnenerlebnis

Im Kulturhaus Dock 4 erwartet das Publikum ein intensiver Theaterabend zwischen Kapitalismuskritik, schwarzem Humor, musikalischer Groteske und psychologischem Kammerspiel. Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir lädt dazu ein, die eigene Ohnmacht nicht als Endpunkt hinzunehmen, sondern als offene Frage zu begreifen. Wer zeitgenössische Bühnenkunst mit sprachlicher Wucht und gesellschaftlicher Relevanz erleben möchte, findet hier einen ungewöhnlichen Abend im Theater Uni Kassel.

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Quellen:

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